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„Avatar: Fire and Ash“ (2025)


„Epistemic Entertainment“:

Hollywood’s Kolonialismus-, Kapitalismus-, und Konsum-Kritik im Wandel der Zeit


Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, so würden sie urtheilen müssen, die Gegenstände, welche sie dadurch erblicken, sind grün — und nie würden sie entscheiden können, ob ihr Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind, oder ob es nicht etwas zu ihnen hinzuthut, was nicht ihnen, sondern dem Auge gehört. So ist es mit dem Verstande. Wir können nicht entscheiden, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint. Ist das letzte, so ist die Wahrheit, die wir hier sammeln, nach dem Tode nicht mehr — und alles Bestreben, ein Eigenthum sich zu erwerben, das uns auch in das Grab folgt, ist vergeblich.

( Heinrich Kleist 1801 in einem Brief an seine Verlobte Wilhelmine von Zenge, um ihr sein Verständnis von Kant’s Grenzen der Erkenntnis zu verbildlichen. )

Zeitgeist in Flammen – Erkenntnis-Abgrund in “Avatar: Fire & Ash” (2025) – Illustration (c) Daniel Schwarz 2026

Natürlich war Hollywood-Kino schon immer auch Erziehung, Bildung und kulturelle Werte-Vermittlung in Unterhaltung verpackt. Durch die „grünen Gläser“ einer fiktionalen Geschichte gesehen, ist die Realität immer eher verdaulich oder anschaulich als die direkte Konfrontation mit der eigenen Lebenswirklichkeit, in die man manchmal blind – unbewußt oder gewollt – hineinlebt. Der „Man in the Mirror“ soll lieber erstmal auf der Leinwand gespiegelt werden, bevor ich selbst in der Wirklichkeit in den Spiegel schaue und in meiner eigenen Story echten „Change“ starte. Und so wurden dem amerikanischen Volk – bei seiner guten, alten Erzähl-Tante Hollywood auf dem Schoss sitzend – schon immer die eigene Vergangenheit und Zukunft, Hoffnung und Verzweiflung, Schuld und Sühne, die eigenen Konflikte, der Lebensstil, die aktuellen Gesellschafts-Themen und der Umtrieb des jeweiligen Zeitgeists mithilfe von Filmen vermittelt.

Auch „Avatar – Fire & Ash“ bespielt die großen Zeitgeist-Themen und das (pop-)kulturelle Gedächtnis der Amerikaner:innen: Die Gewalt als Fundament der US-amerikanischen Geschichte und Kultur, Militarismus, Kolonialismus und Ausbeutung, der historische Genozid und die gewaltsame Landnahme durch die europäischen Siedler an der nativen  Bevölkerung Amerikas, Rassismus, Sklaverei, Industrialisierung, der technische Fortschritt, die massive Naturzerstörung des amerikanischen Kontinents, Fortschritt, die Große Beschleunigung, der Raubtier-Kapitalismus mit seinen globalen Industrie-, Finanz-, Militär- und Tech-Konzernen, der Raubbau an der Natur, der Exzess-Konsumismus, das Trauma des Vietnamkriegs („This is not Kansas anymore!“), die Klimakatastrophe, der globale Ökozid,  bis hin zur Polarisierung und Spaltung der amerikanischen Gesellschaft tief in die Familien hinein, dem Fortbestand von echtem Rassismus und falschem Nationalismus, die Bekriegung der Wissenschaften und der Aufstieg von Populisten.

In eine gute Geschichte verpackt lässt uns ein Film aus unserer eigenen Realität heraustreten und mit anderen Augen über sie nachdenken. Die Lust an Spekulation („Was wäre wenn?“) oder Vergleich („Das ist wie…“) ist der Teil in uns, der uns als sehr neugierige und nachdenkliche Wesen zu Menschen macht. Der Mensch lebt nicht vom Popcorn allein, und wer denkt, Bildung und Unterhaltung seien zwei verschiedene Dinge, habe weder das Eine noch das Andere verstanden – so Marshall McLuhan.

Viele Filme haben den Erkenntnis-Prozess selbst zum Thema ihres Storytellings gemacht, und das Science-Fiction-Genre als Alternativ-Welt genutzt, um über die Realität (und wie wir sie wahrnehmen) unbefangen und losgelöst, kritisch und konstruktiv – und vor allem: phantasievoll und unterhaltsam – berichten zu können : „Soylent Green“ (1973), „They live!“ (1988), „Matrix“ (1999) –  aber eben auch „Avatar“ (2009) sind dafür Beispiele.

Erkenntnis und Empathie wurden schon damals in den 80ern bei Carpenter’s „They live!“ als ein drängendes Verdrängungsproblem der modernen Kapitalismus- und Konsumgesellschaft thematisiert, aber beim aktuellen Film „Fire & Ash“ verbleiben modernen Geschichten-Erzählern wie James Cameron nur noch wenige Jahre, um einem großen Publikum in gute Unterhaltung verpackte Erkenntnis- und Empathie-Erziehung zu vermitteln – denn die Traumfabrik Hollywood lag selbst schon letzten Sommer ganz real in „Fire and Ash“: Das Drama in der echten Welt beginnt den Silverscreen des Storytellings anzuflämmen, und James Cameron selbst sagt, es sei jetzt schwierig geworden, heute noch Science-Fiction zu machen, da die dramatischen Entwicklungen in unserer Wirklichkeit die Science-Fiction seiner Tage überholen.

Von John Carpenter’s Hoffmann-Brillen in „They live!“ 1988 bis hin zum „I see you!“ in James Cameron’s „Avatar: Fire & Ash“ war es ein langer Entwicklungs-Weg, wie Erkenntnis-Prozesse und Empathie-Vermögen im Hollywood-Kino einem größeren Popcorn-Publikum dargestellt werden.

Geprügelt darum – um die Erkenntnis, ihre Verkündung und Verwirklichung – wird sich in den Filmen aber seit eh und je auf die selbe Art und Weise. Das blieb bisher immer gleich im Hollywood-Action-Kino fürs Großpublikum: Gewalt ist seit jeher und durchgehend ultima ratio, um gewonnene Erkenntnis dann schließlich auch durch- und umzusetzen: gewaltsam. Selbst die zartfühlendste, dem Leben liebevoll verbundene Philosophie-Erkenntnis – in „Avatar“ ist es die Gaia-Hypothese („Eywa“) – wird am Ende mit Faustschlägen und Panzerfäusten durchgesetzt. Der Protagonist in „They live!“ muß sich erst mit seinem Freund halb totschlagen, bis dieser sich endlich – sprichwörtlich niedergeschlagen – auch die Hoffmann-Brille aufsetzen läßt und endlich die Welt so sieht, wie sein Freund sie sieht. Mit der aufgezwungenen Brille auf der Nase durchläuft er dann den selben Erkenntnisprozess, und die beiden teilen schließlich wieder eine gemeinsame Weltsicht und können von da an gemeinsam gegen die erkannten Probleme und ihre Ursachen angehen. In „Avatar – Fire and Ash“ hingegen, wählt der Antagonist Colonel Miles Quaritch nach einer dramatischen Prügelei mit dem Protagonisten Jake Sullivan lieber den Freitod, statt die wahre Realität von Pandora zu erkennen und für sich anzuerkennen. Der symbolische Verweigerungs-Tod des Colonels inszeniert Cameron als Allegorie auf die aktuelle, bipolare Gesellschafts-Spaltung in den USA über die Deutungshoheit von Wirklichkeit, bzw. die Verweigerung von (wissenschaftlicher) Erkenntnis (durch die MAGA-Bewegung).

Der Einzige, der in diesem fortwährenden Kampf um Erkenntnis für seinen Erkenntnis-Prozess weder Brille, Prügelei noch Kuru braucht, ist der Biologe Ian Garvin in „Avatar – Fire and Ash“. Sein Erkennen der Realität beruht auf wissenschaftlicher Erkenntnis und liebevoller Empathie für das Leben und die Natur und sind sein Antrieb, den Ökozid der Menschen auf Pandora zu beenden. Nur widerwillig – und sichtlich überfordert davon – setzt er (defensive) Gewalt ein, um den gefangenen Jack Sullivan zu befreien. Cameron macht ihn zum heimlichen Helden von „Fire & Ash“ und setzt den Wissenschaften und ihrer inzwischen frustrierten – weil vom Rest der Menschen ignorierten – Erkenntnisarbeit in seinem jüngsten Werk ein ähnliches Denkmal wie Frank Herbert den „dry-land ecologists“ mit der Figur des Geologen Liet Kynes in „Dune“.


Nach der Erkenntnis – „Wir werden ausgebeutet!“ („Soylent Green“, „They live!“, „Matrix“), „Wir beuten aus!“ („Avatar“) – kommt in der Story dieser Filme die a posteriori Urteilsbildung und die daraus abgeleitete Handlungsmaxime der Held:innen: Was tun, nun, da man weiß, wie die Sache läuft und klar ist, was Ursache von Ausbeutung oder Ausrottung ist? Welche Haltung soll man zur entdeckten Wahrheit an- und einnehmen? Die Haltung nach der Erkenntnis ist sowohl in „Sie leben!“, als auch in „Avatar“ eine Opferbereitschaft des Erkennenden für die Offenlegung der entdeckten Wahrheit und ihre Verkündung: In „They live!“ opfert sich der Protagonist John Nada selbst und gibt sein Leben, um alle Menschen an der von ihm erkannten Wahrheit teilhaben zu lassen (er zerstört einen Alien-Sender, der die Wahrnehmung der Menschen mit einem Störsignal täuscht). Das passiert auch in „Soylent Green“ am Ende des Films in der Kirche, wenn Detective Thorn die schreckliche Wahrheit über „Soylent Green“ schwer verletzt von der Tragbahre aus den Menschen zuruft. In „Matrix“ führt das Opfer des Helden zu seiner Transformation in ein neues Wesen, das die beiden gegensätzlichen Welten – neuro-interaktive Simulation und postapokalyptische Wirklichkeit – auf einer neuen, mächtigeren Daseins-Ebene als Synthese integriert und das Potential hat, die Sklaverei der Menschen zu beenden. In „Avatar: Fire & Ash“ geht die Erkenntnis sogar soweit, daß es bei der resultierenden Handlungsmaxime fast zu einer biblischen Opfer-Szene kommt: Der Vater zwingt sich, seinen Sohn zu opfern, um Pandora vor einem Missbrauch der Synthese aus Menschen- und Pandorawelt zu retten, die in seinem Sohn auf wunderbare Weise stattgefunden hat. Aber die Liebe hält ihn schließlich davon ab, und er vertraut sich der Hoffnung an, eine andere Lösung für seine Familie und den Erhalt des Lebens auf Pandora zu finden. Was im Ende auch gelingt: Eywa – das Leben auf Pandora – ist nicht nur miteinander als „Netz des Lebens“ (Alexander von Humboldt) verbunden, sondern wird sich durch Eywa’s Manifestation in Kiri auch seiner selbst bewußt und handlungsfähig. Der Spott der Feuer-Zauberin Varang (vgl. „Exxon Mobil“, „Chevron“ und der US-amerikanische industriell-militärische Komplex) über die  bisher  anscheinend macht- und wirkungslose „Eywa“ (vgl. Biosphäre) angesichts der Vernichtungs-Macht von Feuer und Gewalt (vgl. Fossil- und Militärindustrie) verstummt im Angesicht von Eywa’s Erwachen in Kiri. Und kaum kann Eywa handeln und eingreifen, greift auch sie – wer hätte es gedacht? – ebenfalls zum ultima ratio des Action-Kinos: Gewalt. Da ist sie wieder. Dieses Mal in Form entfesselter Naturgewalt im sprichwörtlichen Sinne. Kiri wird zur inkarnierten telepathischen Rachegöttin der Erdmutter und hetzt der invasiven Menschenart Pandora’s komplette Fauna und Flora zähnefletschend, würgend und Menschenstahl-zertrümmernd an den Hals – inklusive der friedliebenden, matriarchal geführten Tulkune. Was ist die Botschaft des Films? Gewalt ist eine Lösung? Wahrscheinlich nicht, denn die nächste Welle an „Himmelsmenschen“ wird mit ihren Raumschiffen an den Gestaden Pandora’s anlanden, wie es bereits die europäischen Siedler an Nordamerika’s Küsten wieder und wieder getan haben, und der Kampf könnte sich so ewig, zumindest aber bis Avatar Teil 4 oder 5, weiterziehen. Das wiederum ist ironischerweise die kapitalistische Wiedergeburt der Kapitalismus-Kolonialismus-Kritik „Avatar“: Die Gewalt im Film muß weitergehen, damit der nächste Avatar-Film produziert werden kann, denn ohne Gewalt kein Action-Kino. So wie auf unserem eigenen Planeten die Ausbeutung der Natur bis zu ihrer Ausrottung weitergehen muß, denn ohne Ausbeutung der Natur, gibt es nach unserem Verständnis bisher keine menschliche Zivilisation. Dass das ein Glaubenssatz ist, den man überwinden kann, zeigt uns Cameron weniger in der fortwährend gewalttätigen Handlung des Films (bis hin zur schwer ertragbaren Militarisierung von Kernfamilie, wenn der Sohn seinen Vater als Befehlsempfänger mit „Sir“ anreden muss), die sich immer gleich wiederholend in einer immer spektakuläreren Gewaltspirale hoch- und weiter-schraubt, sondern eher in den Allegorien, die er im world building und production design von Pandora kreiert hat. Neben der spektakulären Gewalt kann Hollywood eben auch spektakulär komplexe und kreative Gedanken(-Gebäude) visualisieren, und darin liegt vielleicht die wahre Botschaft des Films. Mit vielen Allegorien und visuellen Metaphern macht Cameron in seinem visual design von „Avatar“ deutlich, um was es ihm im Kern geht: Das verlorene Band des Menschen zur Natur, seine Verbindung zum Netz (Alexander von Humboldt) und Baum (Charles Darwin) des Lebens, wird in „Avatar“ sichtbar durch das Tswin (Netz des Lebens) oder Eywa (Baum des Lebens) und der gesamten Biosphäre von Pandora.

Die Frage, die Cameron uns stellt, ist: Was sollen wir Zivilisations-Menschen als Kinobesucher von „Avatar“ also tun, wenn wir a posteriori die Kinos nach unserer Leinwand-Erkenntnis und Miley Cyrus’ Titelsong im Abspann verlassen? Wenn wir wieder wie aus der Büchse der Pandora in unsere eigene Welt entlassen werden, wohlwissend über unser „Crime of the Century“, die Zerstörung der Natur durch unsere Lebensweise? Was sollen wir tun, wenn wir das „I see you“ bei unserer eigenen „Erdmutter“ zulassen würden, wenn wir den Geist von Eywa in unseren Mitmenschen, Mit-Tieren und Mit-Pflanzen entdeckten? Wenn wir sehenden Auges – nun da wir andere Welten geschaut haben – erkennen, daß nicht nur Popcorn für uns aus der Maschine im Foyer quillt, sondern uns auch ein Netz des Lebens nährend umgibt und fein gesponnen beschützt? Dass wir die Maisfelder für’s Popcorn im Foyer falsch bewirtschaften? Sollen wir uns nur darüber erschrecken, dass wir als Erdenmenschen von unserer geistigen Himmelswelt hinab über die Natur der Erde hergefallen sind, um sie nach unseren geistigen Vorstellungen und unserem gewaltigem Willen („Macht euch die Erde untertan!“) zu gestalten und dabei vor unseren eigenen Augen zu zerstören?

Wenn wir „als Eins träumen“ von hoch oben aus in der „Zitadelle des Geistes“ (Charles Darwin) und unseren Himmel schauen, sehen wir dann unsere eigene Asche herunterschneien?

Sollen auch wir im Angesicht von fast vollständig vollzogener Naturzerstörung durch unsere kapitalistisch-konsumistisch-koloniale Lebensweise zur Gewalt greifen? Gegen uns selbst? Sollen wir uns auf die verlorene Verbindung, das Band zur Natur besinnen, das wir erst aus Angst vor der Natur, dann aus vermeintlicher Allmacht über sie durchtrennt haben?

Was sollen wir nur tun? Noch fünf Jahre. Gemeinsam träumen? Ja! Bitte! „Even through the ashes in the sky.“

Denn, wenn uns Hollywood etwas erzählt, dann das: Another world is possible! „Eywa“ hat hier auf der Erde seit 3.8 Milliarden Jahren einen durchgehenden Lebensfaden durch Berge und Täler, aufgebauschte Himmel und lang vergangene Höllen geflochten. Wir sind ihr schönster Haarkranz und Geistestanz. Wir sind nicht die Büchse der Pandora.

Wir Menschen sind die Schönheit des Universums, wir sind nicht seine Vergewaltiger.

Das ist nicht, wofür wir hier sind, das ist nicht unser Job.

Never has been.

Platon hatte eine „Akademie“ gegründet , damit wir uns daran erinnern, was unser Job ist, Cameron hat „Avatar“ gedreht. Seit Platon hängen wir bequem und geschützt im Netz des Lebens wie in einer Hängematte unterm Baum des Lebens und hatten bisher alle Zeit der Welt zum Philosophieren. Wir haben es uns in Platons Höhle gemütlich gemacht und den Schatten an der Wand zugeschaut – jetzt, in Zeiten von Cameron‘s virtueller Camera haben wir diese 2000 Jahre plus nicht mehr. 

Erinnern wir uns an unseren Job!

Gemeinsam.

“Even through the flames. Even through the ashes in the sky.”

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News Serious Games t minus ten

COP30 & “Energy On Earth”

2012 – vor 13 Jahren – arbeitete unser Serious Games-Studio takomat am Spielkonzept „Energy On Earth“.

Ein Jahr zuvor hatten wir uns mit dem „Siedler Online“-Team von Bluebyte / Ubisoft backstage bei der Preisverleihung des Deutschen Computerspielpreis 2011 getroffen und vereinbart, daß wir – basierend auf dem Erfolg unseres Energiespiels „Energetika“ – ein High Concept schreiben, das unser Serious Game in ein episches Entertainment-Spiel mit realistischer Grundlage verwandeln würde.

„Energetika“ reichte mit seiner Simulations-Zeit bis ins Jahr 2050, um Nachhaltigkeits-Effekte und mögliche Zukünfte im Spiel erfahrbar zu machen. Es war eine wissenschaftliche Simulationskammer für die Zukunft der Energieversorgung in Form eines Computerspiels. Unser High Concept für Ubisoft mit dem Arbeitstitel „Energy On Earth“ („EoE“) sollte weiter als 2050 gehen und einen Jahrhunderte weiten Bogen als Brücke in die Zukunft der Zivilisation spannen. Die Zukunft der Menschheit sollte sprichwörtlich auf dem Spiel stehen. Diese Zukunft würde nicht auf dem Mars stattfinden, wie es uns die Macht-Narrative der Moderne weismachen wollen, sondern die Menschheit würde lernen müssen, vom erschrockenen Blick des “Engels der Geschichte” von Walter Benjamin zu lernen und so Raumschiff Erde sicher in die Zukunft zu steuern.

„EoE“ war als Echtzeit-Aufbau-Strategiespiel konzipiert, bei dem Spieler als Führer von modernen Industrienationen gemeinsam und gegeneinander online um die Zukunft der Erde und ihr Überleben kämpfen. Zentrales Thema war dabei die Energieversorgung der Menschheit als Lebenselixier von Zivilisation. Ziel für die Spieler war eine nachhaltige Energieversorgung ihrer Bevölkerung und die Sicherung einer lebenswerten Zukunft. 

Das Spiel sollte die Situation und Energielandschaft der industriellen Welt im Jahr 2012 mit realistischen Daten als Start-Szenario simulieren und die Spieler wie die echte Menschheit von dort aus in die selbe ungewisse Zukunft aufbrechen lassen.

Die Spielweise aller Spieler sollte von der Simulation als globale Auswirkung auf die Umweltbedingungen und Entwicklung der Spielwelt angewandt werden. Die Spieler nähmen so die größte Herausforderung der Menschheit an und könnten im Wettstreit oder in Zusammenarbeit mit anderen Spielern spielerisch explorieren, wie ihre Energie-Strategie die echte Welt ändern oder gar retten könnte.

Die Aufbausimulation wurde im Konzept um Rollenspiel-Elemente erweitert, bei denen sich die Spielcharaktere – genauso wie die Figur des Spielers – in Richtung Nachhaltigkeit oder Kurzfristigkeit entwickeln könnten. Je nachdem, welche grundlegenden Charaktereigenschaften sie mitbringen und welches Wissen, welche Fähigkeiten und Einstellungen sie während dem Spielverlauf erwerben, sind sie – genau wie in der realen Welt – der menschliche Faktor, dessen Verhalten entscheidend für die Entwicklung der Gesamt-Energie-Simulation des Spiels ist. Menschliches Verhalten und menschliche Entwicklung sind Teil der Energie-Simulation. Die Sterblichkeit der Charaktere führt zu einem generationen-übergreifenden Gameplay & Storytelling, um der epischen Größe der Aufgabe gerecht zu werden und das Thema Nachhaltigkeit emotional zu vermitteln.

Einer dieser Charaktere in „Energy on Earth“ ist der RES-General Horatio Nelson, der militärische Berater der Spielerin / des Spielers.

Character Design von Horatio Nelson für das Spielkonzept “Energy On Earth” von takomat GmbH, (c) 2012 takomat GmbH

Beim Start des Spiels ist Horatio General bei der RES („RESURRECTION“)-Erkundungs- und Eroberungsabteilung des Militärs, ein militärisch-wissenschaftlicher internationaler think tank. Die Aufgabe von RES besteht darin, mit Spezialkräften unter direktem Kommando Natur-Resourcen aller Art (von Ölfeldern bis hin zu Waldbeständen oder Naturschutzgebieten) auf eigenem oder ausländischem Territorium taktisch, strategisch und ökologisch zu sichern und einen nachhaltigen Verbrauch natürlicher Ressourcen notfalls militärisch zu ermöglichen oder zu verteidigen. Im Kriegsfall inkludiert das auch die Eroberung und Sicherung von solchen Gebieten. Der wissenschaftliche Teil der Abteilung identifiziert solche Resourcen-Gebiete, teils durch Exploration (stellenweise gemeinsam mit Industrie-Partnern) neuer Gebiete, teils durch Analyse und Bewertung bestehender Gebiete im Staat.

„Energy on Earth“ erhielt 2012 einen Konzept-Förderpreis der Medienstiftung NRW, blieb in der Konzept-Schublade liegen und wurde als Spiel nicht produziert – „Anno 2070“ war damals bei BlueByte und Ubisoft die ökologische Aufbau-Simulation, die zu diesem Thema veröffentlicht wurde.

Viele Jahre vergingen, und das Spiel, das wir als Menschheit mit der echten Welt spielen, ging unterdessen da draußen in der echten Welt weiter.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2025, es ist die COP30 und mich als Serious Game Designer beschleicht einmal mehr – wie in den letzten Jahren immer öfter – das Gefühl, dass wir in unserem Spiel mit der echten Welt einen EPIC GAME MOMENT erreicht haben, in dem unsere Serious Game-Ideen und Science Fiction von damals inzwischen von den Entwicklungen in der Wirklichkeit ein- oder sogar überholt werden.

Zu Beginn des Spiels – es startete im Jahre 2012 – tritt die Präsidentin des Landes zur Neujahrsansprache an die Mikrofone und richtet ihr Wort an die Bürgerinnen und Bürger der Großen Industrienation. Sie wisse sich nicht mehr zu helfen, verkündet sie, wie man das Ruder zur Rettung der Erde noch herumreißen könnte. Globale Industrie- und Energie-Konzerne – die 20th.-Century-Boys – verhindern einen Kurswechsel zur Nachhaltigkeit, sie habe daher Anweisungen an ihre Wissenschaftler und das Militär für den Start eines neuen Projekts gegeben, das sie ihren Bürgerinnen und Bürgern nun unterbreiten wolle. Während die Neujahrsansprache der Präsidentin noch über die Bildschirme der Republik flimmert, und auf der anderen Seite der Welt seine Kampftruppen an den ausgefransten Rändern des Amazons-Regenwalds die Dunkelheit ihrer Nacht-Patrouille mit Leuchtspur-Munition erhellen, besteigt General Horatio Nelson einen Kampfhubschrauber und fliegt über das schwarze Waldmeer seiner Präsidentin entgegen, die ihn gerade live im TV für eine neue Aufgabe abkommandiert hat.

13 Jahre später sitze ich bei meinen Eltern vor den Abend-Nachrichten. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva tritt bei der COP30-Klimakonferenz im brasilianischen Belem vor die Mikrofone und richtet sein Wort an die großen Industrie-Nationen der Welt. Er wisse sich nicht mehr zu helfen, der Klimawandel sei bereits eine „Tragödie der Gegenwart“, dies sei eine Konferenz „der Wahrheit“, er unterbreite den versammelten großen Industrie-Nationen ein Projekt zur Rettung der Zukunft und fordere sie auf, gemeinsam den verbleibenden Regenwald zu schützen.

Ich sehe Lula’s Ansprache, es wird mir heiß. Die Realität flutet die alt gewordenen Simulationskammern, die wir 2012 für die Zukunft gebaut hatten. Schau, Mama, aus unseren Computer-Spielen sind Nachrichten geworden.

Ich schließe kurz die Augen und stelle mir vor, wie Horatio Nelson in diesem Moment und 13 Jahre später in den Hubschrauber steigt, um seinen neuen Auftrag von Präsident Lula entgegen zu nehmen.

Noch gibt es Hoffnung, dass wir vor Ablauf von t minus 10 zu 21st.-century-Girls & -Boys werden. Es liegt an uns.

Generationen übergreifende Nachhaltigkeit im Spielkonzept von “Energy On Earth” von takomat GmbH, (c) 2012 takomat GmbH
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Beobachtungen Drawings t minus ten

The real Plastic Coda

Geh‘ mit uns den Mehrweg!“ – diese Werbung der Coca Cola Company hat mich aufmerksam gemacht. Denn die Wege, die Mikroplastik geht, sind genauso verschlungen, wie die Arme in der Werbeanzeige, nur dass diese Gummiarme die Cola-Flaschen nicht aus dem System entnehmen, sondern in der Bilanz dem Gesamtsystem Erde – und damit uns – immer mehr Plastik zuführen (während zwar 97% der Pfandflaschen zu Fasern, Folien und sonstigem Plastik recycelt werden, ist faktisch weniger als jede zweite Plastik-Flasche, die wir neu kaufen, aus Recycling-Material). Und somit sagt die Coca Cola Company in ihrer Werbeanzeige die Wahrheit, wenn wir bei „jedem Trinkanlass die passende Verpackung“ bekommen. Nur nicht ganz so, wie Coca Cola es in der Werbung meint: Wir bekommen tatsächlich bei „jedem Trinkanlass die passende Verpackung“ – aber ALS NAHRUNG, NICHT ALS VERPACKUNG. Und so trinken wir unsere erste Cola-Flasche schon lange vor unserer Geburt: In jeder getesteten Plazenta wurde Mikroplastik gefunden, und auch direkt nach der Geburt nehmen wir Cola-Flaschen zu uns – bzw. in uns auf: in fast der Hälfte getesteter Muttermilch in Studien findet man inzwischen Mikroplastik. Das kann einem zu Herzen gehen, und das tut Coca Cola auch: Mikroplastik findet man inzwischen auch bei OPs in menschlichen Herzen angereichert.

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Beobachtungen t minus ten

JULY 2025: T minus Ten – Half Time

Daniel in Dahn, July 13th., 2025

I’m back home. I have returned to the backwoods from which I descended from, where I grew up and where I spent my childhood and adolescence. I have returned with Take That on my jogging playlist 🙂

Never forget where you’ve come here from.”

(Take That, 1995 – the year when I had left these woods for the big city lights)

Nature is so beautiful here in the woods. It’s such a beautiful planet! Now, it’s mid of July, 2025. Half time for T-10 (2020-2030) – scientists call it the “decisive decade”, politicians call it the „ongoing polycrisis“.

“We’ve come a long way. But we’re not too sure where we’ve been. We’ve had success, we’ve had good times. But remember this.

Never forget where you’ve come here from. Never pretend that it’s all real.“

It’s such a beautiful planet where we’ve come here from. Let’s save it! It’s our home. „We‘ve come a long way“, but now let’s be „back for good“ (Take That, 1995, too ) 🙂 – Let’s all come back home! Five years left.

…and never forget:

“Someday soon this will all be someone else’s dream”.

❤️

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Events Serious Games

MiniCity Karlsruhe

Gemeinsam mit vielen Akteuren der Stadt veranstalten wir am 14. und 15. März 2025 die 2. Karlsruher Hack-Days im Rahmen des internationalen Open-Data-Day 2025.

Wir – die Hochschule Karlsruhe – laden Studierende und Bürger:innen zum Open-Data-Projekt MiniCity Karlsruhe ein, um gemeinsam eine real-daten-basierte “Comic-Version” der Stadt Karlsruhe als digitalen Zwilling in einer Compuerspielewelt nachzubauen. Dieser digitale Zwilling der Stadt Karlsruhe soll zur digitalen Bürgerbeteiligung und zum interaktiven Teilhabe-Tool ausgebaut werden.

Open-Data-Projekt “MiniCity Karlsruhe” als Workshop auf den 2. Karlsruher Hack-Days

Letztes Jahr wurde beim OpenDataDay 2024 in einem Initial-Workshop angefangen, eine verkleinerte “Comic-Version” von Karlsruhe – basierend auf den echten Daten der Stadt – in der Game Engine Roblox nachzubauen. Durch real-daten-basierte Wissens- und Daten-Visualisierung soll das Multiplayer-Game MiniCity Karlsruhe zukünftig seinen Bürger:innen die Frage “Wie geht es meiner Stadt?” beantworten. Mit Hilfe von System Dynamics Simulation soll im Game aber auch die Zukunft der Stadt und ihre notwendige Transformation exemplarisch modelliert und durchgespielt werden. Somit wird auch die Frage “Was wird aus meiner Stadt?” für Bürger:innen anschaulich und erfahrbar beantwortet werden.

MiniCity Karlsruhe findet im Rahmen des Serious-Game-Projekts “t minus ten” ( t-10 ) an der Hochschule Karlsruhe statt, ein Langzeit-Projekt, das seit 2020 Semester-Generationen-übergreifend ein Serious Game entwickelt, um damit sprichwörtlich die echte Welt zu retten. Dabei stellten sich die Studierenden den vier großen gesellschaftlichen, wissenschaftlich-technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die wir in der Realität in der entscheidenden Dekade (2020-2030) bewältigen müssen, um die echte Welt tatsächlich zu retten: Food, Energy, Housing, Mobility. Diese Herausforderungen der echten Welt werden in einem Serious Game modelliert, um dort Lösungen für die echte Welt zu erspielen.

Video der Abschluss-Präsentation “MiniCity Karlsruhe” vom letzten Open-Data-Day 2024:

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Beobachtungen Serious Games

Lessons in love.

Hi, I am a professor for turning the real world into games in order to deal with the real world.

Today‘s lecture is about storytelling and non-verbal communication.
Your assignment: What happened in between those two situations? Character arc or home coming queen?

What happened in between?
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Umzug in die Zukunft!

Am 17. August 2024 zogen wir – 500+ Bürgerinnen und Bürger der Stadt Karlsruhe, groß und klein, jung und alt, aus Bürgerinitiativen und -vereinen, Familien, den Wissenschaften, lokalen Organisationen, privaten Unternehmungen und Unternehmen – zusammen in die Zukunft um. Denn die Zukunft machen wir! Und wir machen sie jetzt! Und wir nehmen das Beste mit in die Zukunft! Und wir machen sie am Besten gemeinsam! Und wir machen das Beste daraus! Wer, wenn nicht wir? Wir machen das!

Auftakt zur “Zukunftsweltstadt Karlsruhe”: Die Karlsruhe Bürgerinnen & Bürger ziehen gemeinsam in die Zukunft ihrer Stadt um!

Weitere Informationen zur “Zukunftsweltstadt Karlsruhe” gibt es hier.

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Umzug in die Zukunft – Countdown läuft

Die Vorbereitungen für den Umzug in die Zukunft laufen. Am Wochenende wurde beim Zirkus Maccaroni vor den Toren der Stadt schon fleißig gebastelt und gepinselt! Seid am Samstag, den 17.08.2024 mit dabei – Alle sind zum Mitmachen eingeladen!

Der Countdown zum Umzug in die Zukunft in Karlsruhe läuft!

Webseite von “Umzug in die Zukunft”

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Umzug in die Zukunft!

Auf dem Karlsruher Open-Air-Festival „Das Fest“ bereiten Besucher:innen am Samstag, den 20. Juli 2024 am Stand des Vereins Wandelwirken e.V. und des Karlsruher Transformationszentrum des KIT den „Umzug in die Zukunft“ für Karlsruhe am 17. August 2024 vor.

Alle Karlsruher Bürger:innen, groß, klein, jung & alt sind zum bunten Mitmachen eingeladen. Wer Lust auf einen laut-fröhlichen Umzug in eine gute Zukunft und mit besten Wünschen für seine Stadt hat, kommt am 17. August 2024 um 16.00 Uhr zum Festplatz – von dort aus geht es dann weiter bis zum Karlsruher Schloss!


Vorbereitungen am 20. Juli 2024 auf dem Karlsruher Festival “Das Fest” zum Umzug in die Zukunft

Weitere Informationen unter: Umzug in die Zukunft!

Viele Vereine, Unternehmen, Organisationen und Bürgerbeteiligungen der Karlsruher Stadtgesellschaft sind gemeinsam mit den Wissenschaften (auch meine Hochschule, die HKA, ist mit dabei) Mitwirkende und Veranstalter:

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Fridays For Future

There were about 10.000 people out on the streets of Cologne today – protesting for the protection of our Earth System and calling for the revolution of our Economic System. I’ve been there together with my youngest daughter, because she will be affected most by the consequences of climate change that are already flaming up everywhere in our world.